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Armut


Armut – ein weit verbreiteter Begriff, nicht nur in unserer Gesellschaft. Zu viele Kinder in Deutschland sind arm, so sagen es die Statistiken.

Doch was ist arm? Die Kinder in Deutschland haben (größtenteils) ein Dach über dem Kopf, sie haben zu essen und jemanden, der sich um sie kümmert. Können diese Kinder wirklich arm sein?

Messen wir diese Art von Armut mit jener der Kinder in Schwarzafrika. 30 Prozent der neugeborenen Kinder sterben, bevor sie fünf Jahre alt sind. Und warum? Aus den Gründen extremer Armut, aus Hunger, aus Krankheit, aus fehlender Hygiene, aus Hilflosigkeit.
30 Prozent – das hört sich sehr abstrakt an. Doch übertragen wir diese Situation auf Deutschland. Stellen wir uns vor, dass hier jeden Tag tausende von Julias, Toms, Susannes, Torbens jeden Tag sterben, dass unsere kleinen Geschwister nur eine Überlebenschance von 60 Prozent hätten.
Hinter jedem Kind dieser 30 Prozent verbirgt sich ein Lachen, ein Weinen, ein Ruf um Hilfe und leider auch ein Verstummen.

Sind wir wirklich arm? Müssen wir uns die ganze Zeit beklagen, dass es uns so schlecht geht?

Bald gibt es in Heiligendamm, in der Nähe von Rostock, ein Treffen der acht mächtigsten Nationen der Welt: Deutschland, Russland, Kanada, China, Japan, USA, Italien und Frankreich. Alle diese Länder erklären sich bereit, sich auf einem Gipfel zu treffen, um unter anderem dieses Thema zu erörtern. Dabei wird allgemein verbreitet, dass man den ärmsten Menschen der Erde nur helfen wolle. Doch will man das wirklich? Warum werden die Hilfsmaßnahmen beständig gekürzt, wenn man doch so viel Gutes tun möchte? Warum hat man so viel Angst vor Demonstranten, sodass man sogar eine Mauer um die Tagungsstätte baut, um die Regierungschefs zu schützen, wenn diese doch nur der Welt helfen möchten?

Die Hilfeversprechungen können schon lange nicht mehr so genannt werden. Es sind doch inzwischen nur Kompromisse, die zwischen den einzelnen Ländern geschlossen werden, damit sie selbst möglichst viel davon profitieren. An die wirklich armen Kinder im Kongo, in Nigeria, im Sudan und überall auf der Welt wird dabei nicht gedacht.

Jetzt stellt sich die Frage, ob in einem solch wichtigen Thema Kompromisse gemacht werden dürfen. Verdient nicht jedes Kind kompromisslose Hilfe? Ist nicht jedes Leben gleichviel wert? Hat nicht jedes Kind auf ein Leben – ein menschenwürdiges Leben?

Um die Missstände in Afrika zu beseitigen, kann jeder etwas tun. Man kann sich an (friedlichen) Demonstrationen beteiligen, man kann versuchen, die Situation der Kinder mit Unterstützung von Hilfsprojekten zu verbessern. Dies kostet nicht viel, wir als ach so arme Nation können uns dies auch leisten.
Dadurch werden die Menschen, vielleicht auch irgendwann die Politiker, aufgeweckt. Wir müssen ihnen zeigen, in was für einer Welt wir leben, eine, die immer noch Ausbeutung und Profitgier beherrscht wird.
Dieses Aufdecken und die Zusicherung von kompromissloser Hilfe ist unsere Aufgabe als Bürger der Bundesrepublik Deutschland, als Brüder, als Schwestern, Töchter, Söhne, Freunde, Feinde, Bekannte und – vor allem – als Menschen.



29.05.2007 Katharina Drechsel